Erster Gebäudetechnik-Hackathon in Südwestfalen ein voller Erfolg

Wie Unternehmen Kontakte zu jungen Talenten knüpfen können

Die Region Südwestfalen, die sich öst­lich des Ruhrgebietes erstreckt, steht seit Jahrhunderten für Metallverarbeitung und Unternehmertum. Eisenerzvorkommen, Wasserkraft aus den vie­len Bächen und Flüssen und Holz aus den Wäldern der Region ermög­lich­ten hier lan­ge vor der Industrialisierung die ers­ten Hütten, Schmieden und Drahtziehereien.

Aus die­ser Tradition hat sich in Südwestfalen eine star­ke Industriekultur ent­wi­ckelt. Noch heu­te gehört die Region zu den drei stärks­ten deut­schen Industrieregionen. Mehr als 150 Weltmarktführer haben hier ihren Sitz – dar­un­ter beson­ders vie­le Hersteller aus der Gebäudetechnik. Einige davon haben sich im Verein „Gebäudetechnik Südwestfalen e.V.“ zusam­men­ge­schlos­sen, um gemein­sam den Herausforderungen der Branche zu begeg­nen. Standen anfangs noch gemein­sa­me Schnittstellen oder gewer­ke­über­grei­fen­de Konzepte für bes­se­res Bauen im Mittelpunkt des Vereins, geht es heu­te zuneh­mend um Themen wie Digitalisierung oder Fachkräftemangel, der gera­de in der länd­lich gepräg­ten Region ein gro­ßes Thema ist – ver­mu­tet man doch hier als Hochschulabsolvent gar nicht so vie­le inter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­te Arbeitgeber, wie tat­säch­lich vor Ort sind.

Um bei­de Themen mit­ein­an­der zu ver­bin­den, hat der Verein im November zu einem Hackathon ein­ge­la­den. Zusammen mit dem Transferverbund Südwestfalen, der in der Region die Brücke zwi­schen der Hochschullandschaft und den Unternehmen schlägt, und der Fachhochschule Südwestfalen, die an ihren über die gan­ze Region ver­teil­ten Standorten vor allem tech­nisch ori­en­tier­te Studiengänge anbie­tet, rich­te­te er das Event in Lüdenscheid aus. Im Humboldt 4C, einem Veranstaltungs- und Coworking-Place in einer alten Villa mit­ten in der Stadt, soll­ten rund 50 Studierende 24 Stunden non­stop an kon­kre­ten Fragestellungen aus der hei­mi­schen Wirtschaft for­schen.

Sechs Unternehmen aus dem Verein stell­ten die Fragen und prä­sen­tier­ten sie zu Beginn des Tüftel-Marathons. Anschließend zogen sich die Studententeams, die nach Studienfächern und Standorten bunt gemischt waren, zum Arbeiten zurück. Anfangs waren noch Vertreter der Unternehmen mit dabei, um Fachfragen zu beant­wor­ten und gemein­sam die ers­ten Schritte zu gehen.

Die ange­hen­den Ingenieure, Wirtschaftsinformatiker oder Kaufleute beein­druck­ten vor allem durch ihr orga­ni­sier­tes, agi­les Arbeiten. Konzepte wur­den ent­wi­ckelt, ers­te Applikationen pro­gram­miert, Prototypen gebaut und die meis­ten Studierenden kamen gänz­lich ohne Schlaf aus.

Am Folgetag wur­den die Ergebnisse prä­sen­tiert. Natürlich gelingt es nicht, in 24 Stunden ein kom­plet­tes Produkt zu ent­wi­ckeln oder eine kom­ple­xe Anwendung zu pro­gram­mie­ren. Trotzdem zeig­ten sich die teil­neh­men­den Unternehmen hoch­zu­frie­den mit den Arbeiten der jun­gen Talente. „An so einem Hackathon neh­men natür­lich nur sehr enga­gier­te Studierende teil.“, so Julian Koch, Leiter des Labors für Prozessautomation und Künstliche Intelligenz an der FH Südwestfalen, der zusam­men mit Sonja Pfaff vom Transferverbund die Veranstaltung orga­ni­siert hat­te. Beide hat­ten im Sommer schon einen offe­nen Hackathon in ähn­li­cher Form ver­an­stal­tet, so dass der Verein Gebäudetechnik auf die Erfahrungen des ein­ge­spiel­ten Teams zurück­griff.

Die sechs Aufgaben waren eben­so viel­fäl­tig wie die betei­lig­ten Unternehmen. Das Busch-Jaeger-Team hat­te vor allem die Nutzung zusätz­li­cher Features für das free@home-System im Fokus. Hier hat­ten die Studierenden einen Butler ent­wi­ckelt, der Stimmungen am Gesichtsausdruck oder am Klang der Stimme erken­nen kann und ent­spre­chen­de Musik spielt oder kon­kre­te Vorschläge pas­send zur Gefühlslage der Bewohner machen kann. Auch für das Handwerk hat­ten sie eini­ge Lösungen via Sprachsteuerung kon­zi­piert – etwa das Automatisieren von Terminvereinbarungen.

Die Aufgabe von Jung sah vor, das Bestellwesen mög­lichst ohne Medienbrüche und Papier zu gestal­ten. Was das Team hier in 24 Stunden kon­zi­pier­te, erhielt zu Recht den ers­ten Preis der Jury. Ein kom­plet­ter Konfigurator wur­de hier erstellt. Je nach Objektart und gewünsch­tem Ausstattungsniveau lie­fert er – unter­stützt von KI – kon­kre­te Vorschläge für Komponenten und ihre Platzierung, berech­net Kabellängen und erstellt dar­aus eine kom­plet­te Stückliste, die mit gewünsch­ten Lieferkonditionen per Mausklick die Bestellung im Jung-System aus­löst.

Schell such­te mit Hilfe der Studierenden Alternativen zur Grau-was­ser-Vorbeugung in Rohrleitungen. Mit Hilfe von preis­güns­ti­gen Volumenstrom-Sensoren ermit­tel­ten sie hier, ob die ein­zel-nen Bereiche einer Anlage aus­rei­chend gespült wur­den und in-for­mier­ten via App bei Bedarf den Hausmeister, um dies manu­ell zu tun. Die erfor­der­li­che Spüldauer wur­de dabei eben­falls in Echtzeit ange­zeigt. Diese Lösung hat den Vorteil, dass sie für kon­ven­tio­nel­le Armaturen ein­fach nach­ge­rüs­tet wer­den kann und die Spülvorgänge nur so lan­ge gestal­tet wie nötig, ohne Wasser zu ver­schwen­den. Sie über­zeu­ge die Jury vor allem durch ihre anwen­der­freund­li­che App, die die Bedienung des Systems ganz ein­fach macht und dem Team den zwei­ten Platz ein­brach­te.

ABA Beul hat­te eine ähn­li­che Problemstellung und such­te nach Möglichkeiten, KI für die Legionellenprophylaxe ein­zu­set­zen. Das Forscherteam ent­wi­ckel­te dazu einen Risikofaktor für Legionellenbefall in Abhängigkeit von Standdauer und Temperatur des Wassers in den Rohrleitungen und dar­aus abge­lei­tet ver­schie­de­ne Spülstrategien – zum Beispiel, indem Nutzer über einen Smart Mirror oder eine App infor­miert wer­den, wenn sich bestimm­te Bereiche einer kri­ti­schen Marke nähern.

Während es bei den genann­ten Aufgaben vor allem um Prozesse und Anwendungen ging, stell­ten die Firmen Oventrop und Rutenbeck an ihre Teams Aufgaben zur Produktentwicklung.

Oventrop such­te nach einer Alternative für Volumenstromregelarmaturen, die hydrau­li­sche Schwankungen aus­glei­chen sol­len. Hier wünsch­te sich das Unternehmen eine digi­ta­le Variante, die ein­fa­cher und kos­ten­güns­ti­ger zu rea­li­sie­ren ist. Die Studieren-den erstell­ten ein Konzept, das mit Hilfe von KI Werte wie Druck, Solltemperatur und maxi­ma­len Volumenstrom aus­wer­tet und die opti­ma­le Regelungseinstellung eines Ventils aus­gibt.

Rutenbeck wünsch­te sich ein REG-Gerät als uni­ver­sel­les Smart Home Device, was die Studierenden als Cloud-Lösung anleg­ten, die über klas­si­sche Web-Benutzerkonten ein­ge­rich­tet und über und Sprachsteuerungen wie Alexa bedient wer­den kann.

Auch wenn eini­ge Konzepte zunächst nicht mehr als Gedankenspiele sind, so haben sie dazu geführt, die Studierenden in die Welt der Gebäudetechnik mit­zu­neh­men und ers­te Kontakte zwi­schen Studierenden und Unternehmen zu knüp­fen. „Wenn dar­aus eine Zusammenarbeit oder spä­ter ein Arbeitsverhältnis ent­steht, dann haben wir unser Ziel erreicht“, freut sich Dirk Hackenberg, Geschäftsführer des Vereins, über die gelun­ge­ne Veranstaltung. „Wir kön­nen uns sehr gut vor­stel­len, den Hackathon im nächs­ten Jahr zu wie­der­ho­len.“

Weitere Informationen:

www.besseres-bauen.com
www.fh-swf.de
www.transferverbund-sw.de

Die Träger des Transferverbunds Südwestfalen
Gefördert von
Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis mbH
Lindenstraße 45
58762 Altena
Tel.: 02352 9272 13
Fax: 02352 9272 20
Mail: info@gws-mk.de
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